Samstag, August 23, 2008

Filmszenen I ...bitte...Wasser...in: Reise hinter den Spiegel. Teil 3 Schluss. Regie: Wolf Vogel 1989

Teaser Film Reise hinter den Spiegel, 1989. Regie: Wolf Vogel

Bildquelle und Bildrechte bei Produktionsgesellschaft und Fernseh-Sender. 1988-89

von: ignazwrobel

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Text Reise hinter den Spiegel Teil 3 Seite 01

Text Film Reise hinter den Spiegel Teil 3 Seite 2

Text Film Reise hinter den Spiegel Teil 3 Seite 3

Text Film Reise hinter den Spiegel Teil 3 Seite 4

Text Film Reise hinter den Spiegel Teil 3 Seite 5

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Ein Audio-Interview mit Andres Veiel über den Fall Potzlow und Marcel und Marco und Schönfeldt, die Marinus Schöberl zu Tode folterten. Veiel erarbeitete aus den Informationen eine Dokumentarisches Theaterstück: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt. ->

Das Buch über den Fall enthält den Text des Stückes und klärt in weiteren Kapiteln die Hintergründe des Falles. Andres Veiel: Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt. Deutsche Verlags- Anstalt, München, 2007. ISBN 978-3-421-04213-2

Die roten Textteile beschreiben Parallelen in der Verhörszene aus der Bernd Eichinger/Nico Hofmann Produktion: "Es geschah am helllichten Tag" mit Heino Ferch in der Rolle des Opfers, des im Verhör gefolterten Hans Lederer.

Audiointerview mit dem Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten-Herdecke und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen Harald Welzer. ->
Er beschäftigt er sich damit, wie gesellschaftliche Gewaltexzesse entstehen hier am Beispiel des Nazionalsozialismus/Faschismus.

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Montag, August 11, 2008

Filmszenen I ...na Du Sackratte!?...Teil 3. in: Reise hinter den Spiegel. 1989

Teaser Film Reise hinter den Spiegel, 1989. Regie: Wolf Vogel

Bildquelle und Bildrechte bei Produktionsgesellschaft und Fernseh-Sender. 1988-89

...na, Du Sackratte??..Teil 3. in: Reise hinter den Spiegel. Regie: Wolf Vogel, 1989


Die Szene

Grünes Licht. Eine Art Schacht. Nicht hoch genug, um aufrecht zu gehen. An der Decke laufen Stromleitungen entlang.

Ein Mann stürzt herein, wie gejagt, arbeitet sich von uns weg nach hinten - läuft, fällt fast, läuft. Dort ist eine Eisentür. Sie verwehrt ihm den weiteren Weg.

Der Mann ist ein vielleicht zweiundzwanzigjähriger Türke , schlank, schwarzes Haar, rasiert, dünne Lederjacke, Stoffhosen, weißes Hemd, ist ihm in der Hast aus der Hose gerutscht, Hemdmanschetten offen.

Wir kennen ihn schon, er kann überhaupt kein Deutsch. Gerade hat er seinen Job als Spüler verloren, dann hat ihn seine einzige Bekannte hier in Ostberlin weggeschickt, als er bei ihr Hilfe erbitten wollte.

Jetzt wird er offensichtlich gejagt, sucht hier hier Zuflucht..

Er rüttelt an der Eisentür, sie öffnet sich, - ein toter Lichtschacht. Kein Ausgang. Er sinkt mit dem Rücken gegen die Wand, atmet schwer und angestrengt nach dem schnellen Lauf.

Als er sich beruhigt hat, blickt er um sich, erblickt er einen dunklen Türausschnitt. Er geht darauf zu. Alles ist in smaragdgrünes Licht getaucht.

Im Türausschnitt, neben den abgeschabten Wänden, Schichten von Putz bröckeln ab, eine Eisentür. Ein eigenartiges weisses Zeichen ist auf das Türblatt gemalt, es sieht aus wie der Teil eines Spinnennetzes – es ist eine Wolfsangel.

Unser Mann öffnet vorsichtig und langsam die Tür. Wir stehen hinter ihm und sehen goldenen Widerschein an der kahlen Wand drinnen. Wir machen, -dicht hinter ihm,- einen Schritt in den Raum hinein.

Ruckartig und ohne die leiseste Vorwarnung schießt ein nackter Arm ins Bild. Der Ärmel einer schweren schwarzen Lederjacke ist bis über den Ellbogen hochgeschoben.
Die Hand des Armes setzt sich blitzartig wie ein böser Nackenbiss ins Genick unseres Mannes. Von drinnen tritt ein Zweiter auf ihn und uns zu, eine Taschenlampe blendet uns.

Schnitt.

Ein Raum. Kahle Wände. Fackeln brennen, stecken in Wandhaltern. Ein riesiges Weißschwarzes H ak en kr eu z auf die Rückwand gemalt.

Unser Mann wird hereingestoßen. Weicht an die Wand zurück. Zwei junge Männer drängen nach, beginnen, den Verängstigten langsam zu umkreisen. Schwarze Bomberjacken, Springerstiefel . Der eine hat blondiertes Haar, der andere trägt Schirmmütze.

Close up der Erste.

Subjektive Kamera. Wir sind der Türke.

Der Erste umkreist uns, lächelt gefährlich, reisst dabei plötzlich die Augen auf. Drohung. Er droht mit einem dumpf lauten Lachen. Kollert schadenfroh. Laut. Extrem laut. Bewußt laut. Eingeübt. Macht uns Angst.

Er öffnet den Mund. Weit. Lacht. Zeigt Zähne, Gebiss.

Unser Blick kreist im Raum, die Wandflächen und Fackeln ziehen vorbei. Wir hören ein Schnüffeln. Einer der beiden nimmt Losung auf.

Nun schau Dir diese Sackratte an….

Der Zweite zieht an unserem Blick vorbei, gefährliches Grinsen, geweitete Nasenflügel, aggressiv. Er schnüffelt erneut. Verzieht angeekelt das Gesicht.

Der Erste

Ne echte zweibeinige…

Er starrt uns ins Gesicht.

Wir treten an die Wand zurück, sehen die beiden Neonazis den Ausländer, der hier unten Asyl gesucht hat, umkreisen.

Der Zweite

Willst Dich wohl bei uns verstecken !

..bei uns…

Der Erste und Der Zweite spielen sich drohendes Auflachen zu.

…haha!!..

Wir sind wieder der Türke.

Wieder umkreisen uns die Gesichter der Beiden. Der Erste lächelt. Nur in seinen Augen liegt die Lust auf Grausamkeit, sein Gesicht ist entspannt, locker.

Der Zweite senkt den Kopf, starrt uns von unten her an. Schwarze böse Augen.

…wenn Du wüsstest, wo Du hier hingeraten bist…, Du würdest nicht so hier rumstehn…

Der Erste zum Zweiten, aggressiv lustvoll:

..hast Du schon mal so ne große Sackratte gesehn???

Das Karussell stoppt. Der Erste bleibt vor unserem Mann stehen. Dicht. Ein Augenblick passiert nichts.

Dann schießen die nac kt en Arme des Neonazi nach vorne, packen den Türken und reissen unseren leichten Mann,- er ist dünn wie ein Blatt Papier – mit einem Ruck sich an die Brust.

Der Neonazi blickt von oben herab auf unseren Mann. Der wehrt sich überhaupt nicht. Der Neonazi scheint ihn irgendwie zu würgen. Wir hören, wie die Lederjacke des Gepackten leise knirscht, als würde sie immer mehr zusammengezerrt.

Der Erste wartet, kostet seine Macht aus. Fängt an, zu grinsen.

..na, Du Sackratte...?

Plötzlich ein Schrei. Wir glauben zuerst, der Schrei soll den Türken einschüchtern.

Dann Halbtotale. Der Erste Neonazi krümmt sich. Der Türke hat ihm das Knie in den Unterleib geschlagen. Jetzt rennt er weg, versucht zu fliehen. Der Zweite setzt ihm sofort nach.

Draussen im Gang. Schmal, grünes Licht. Tausend Türen dicht nebeneinander, eine Aufzugtür. Der Türke rennt bis zum Wandende. Dort ist aus. Blickt zur Seite, sieht einen Durchgang, verschwindet schnell.

Der Zweite Neonazi wird vom Ersten, - er hat sich erholt, - erreicht. Beide bleiben stehen, der Erste fasst den Zweiten an den Schultern. Eine Geste: Warte, den kriegen wir noch.

Schnitt.

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1989 - Rollennachweis. a.a. O.

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Kommentar:

Die beiden Neonazis werden den Türken bis zum Tod quälen und foltern. Das ist - um es gleich zu sagen - der Fortgang und das Ende der Sequenz. Die Sequenz ist aus einem Film. Der Film ist Erfindung, Fiktion. Aber die Fiktion wurde 23 Jahre später Realtität:

2002 quälten drei Neonazis, Marco, Sebastian und Marcel, in Potzlow einen 16jährigen Jungen, Marinus, bis zum Tod. Alle drei Folterer hatten vorher seit ihrer Kindheit jahrelange schwere Gewalteinwirkung am eigenen Körper durch Verwandte und Bekannte erlebt.

Der Dokumentarfilmer und Autor Andres Veiel hat sich der anstrengenden Arbeit unterzogen, uns den Fall zu schildern. Als Film: Der Kick . Als Dokumentarisches Theaterstück: Der Kick. und als Buch mit Hintergrundinformationen . Hier das Film-Presseheft dazu.->

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Sonntag, August 03, 2008

Filmszenen I ...eine zweibeinige Sackratte...Teil 2. in: Reise hinter den Spiegel. Regie: Wolf Vogel, 1989

Teaser Film Reise hinter den Spiegel, 1989. Regie: Wolf Vogel

Bildquelle und Bildrechte bei Produktionsgesellschaft und Fernseh-Sender. 1988-89

...eine zweibeinige Sackratte...Teil 2. in: Reise hinter den Spiegel. Regie: Wolf Vogel, 1989

Handlung in Reise hinter den Spiegel:

Die jungen Neonazis und Skins Eddie und Karl verhöhnen, foltern und schlußendlich töten Arpad, den türkischen Fremdling, der sich in das unterirdische Bunkersystem verlaufen hatte, in dem die Skins ihr Lager aufgeschlagen haben.

Eddie und Karl sind gleichzusetzen mit Robert Musils Beineberg, Reiting und Törleß, Arpad mit Musils Basini. In: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. 1957 - 1979

Es folgen Textauszüge aus:

Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

S. 5 – 143 in der Ausgabe: Robert Musil Sämtliche Erzählungen, Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg, 1979 Auflage 83. – 89. Tausend. ISBN 3498 09273 1

Die Örtlichkeit Bei Musil eine Kammer und ein Dachgeschoß, ( Vergleich: in Reise hinter den Spiegel ein unterirdisches Bunkersystem unter Ostberlin):

S.39

"Die Wände waren vollständig mit einem blutroten Fahnenstoff ausgekleidet, den Reiting und Beineberg aus einem der Bodenräume entwendet hatten, und der Fußboden war mit einer doppelten Lage dicker, wolliger Kotzen bedeckt, wie solch im Winter in den Schlafsälen als zweite Decken dienten.

In dem vorderen Teile der Kammer standen niedere, mit Stoff überzogenen Kistchen, die als Sitze verwendet wurden; hinten, wo Fußboden und Decke in den spitzen Winkel ausliefen, war eine Schlafstätte hergerichtet. Sie bot ein Lager für drei bis vier Personen, das sich durch einen Vorhang verdunkeln und von dem vorderen Teile der Kammer abtrennen ließ.

An der Wand neben der Türe hing ein geladener Revolver. Törleß liebt diese Kammer nicht. "

S. 55 "In die dünne Zwischenwand, welche die Kammer vom Dachboden trennte, war nämlich ein Durchlaß gebrochen, gerade so breit, daß sich ein menschlicher Körper hindurchzwängen konnte. Der sollte im Falle einer Überraschung als Notausgang dienen und war für gewöhnlich durch eingeschobene Ziegel verschlossen ."

Die zwei Welten: Die Bürgerliche Welt versus die Heimliche Welt der jungen Männer: (Vergleich: Reise hinter den Spiegel: das oberirdische Berlin des Jahres 1988 versus der unterirdische heimliche Bunker der Neonazis):

S. 41-42

"Er fühlte sich gewissermaßen zwischen zwei Welten zerrissen: Einer solid bürgerlichen, in der Einer solid bürgerlichen, in der schließlich doch alles geregelt und vernünftig zuging, wie er es von zu Hause her gewohnt war, und einer abenteuerlichen, voll Dunkelheit, Geheimnis, Blut und ungeahnter Überraschungen. Die eine schien dann die andere auszuschließen. "

S. 46-47

"War diese Kammer möglich... Dann war es auch möglich ,daß von der hellen , täglichen Welt, die er bisher allein gekannt hatte, ein Tor zu einer anderen, dumpfen, brennden, leidenschaflichen, nackten, vernichtenden führe.

Daß zwischen jenen Menschen, deren Leben sich wie ein einem durchsichtigen und festen Bau von Glas und Eisen geregelt zwischen Bureau und Familie bewegt, und anderen, Herabgestoßenenen, Blutigen, ausschweifend Schmutzigen, in verwirrten Gängen voll brüllender Stimmen Irrenden, nicht nur ein Übergang besteht, sondern ihre Grenzen heimlich und nahe und jeden Augenblick überschreitbar aneinanderstoßen..."

Das Ausgeliefertsein an die Peiniger: Musil: Törleß, Beineberg und Reiting haben Basini in der Hand (Vergleich: Reise hinter den Spiegel: Eddie, Karl und später die ganze Skinhead-Gruppe haben Arpad in der Hand)

S. 48

"Basini ist in unserer Hand, wir können mit ihm machen, was wir wollen, meinetwegen kannst du ihn zweimal täglich anspucken: wo bleibt da, solange er es sich gefallen läßt die Gemeinsamkeit? Und lehnt er sich auf, können wir ihm immer noch den Herrn zeigen.... Du muß nur die Idee fallen lassen daß zwischen uns und Basini irgendeine andere Zusammengehörigkeit bestehe, als die daß uns seine Gemeinheit Vergnügen bereitet."

Rechtfertigung der unmenschlichen Grausamkeit über die Weltsicht: Der Fremde ist ein Untermensch ( Vergleich: Reise hinter den Spiegel: Arpad ist ein Türke, aus Nazi-Sicht ein Untermensch, kein Mensch, weniger als ein Tier)

"Beineberg: Ich habe mir die Sache hin und her überlegt, und du weißt, daß ich darin ganz besonders denke. Was zunächst Basini anlangt, meine ich, daß es um ihn in keinem Falle schade wäre. Sei es , daß wir ihn jetzt anzeigen oder schlagen, oder ihn selbst rein des Vergnügens halber zu Tode martern würden. Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß so ein Mensch in dem wundervollen Mechanismus der Welt irgend etwas bedeuten soll.

Er erscheint mir nur zufällig, außerhalb der Reihe geschaffen zu sein. Das heißt, - irgend etwas muß ja auch der bedeuten, aber sicher nur etwas so Unbestimmtes wie irgendein Wurm oder ein Stein am Wege, von dem wir nicht wissen, obe wir an ihm vorübergehen oder ihn zertreten sollen.

Und das ist so gut wie nicht. Denn, wenn die Weltseele will, daß einer ihrer Teile erhalten bleibe, so spricht sie sich deutlicher aus. Sie sagt dann nein und schafft einen Widerstand, sie läßt uns an dem Wurm vorübergehen und gibt dem Stein eine so große Härte, daß wir ihn nicht ohne Werkzeug zerschlagen können.

Denn bevor wir solches holen, hat sie längst die Widerstände einer Menge kleiner, zäher Bedenken eingeschoben , und überwinden wir diese so hatte die Sache eben von vonrne herein andere Bedeutung.

Bei einem Menschen legt sie diese Härte in seinen Charakter, in sein Bewußtsein als Mensch, in sein Verantwortlichkeitsgefühl, ein Teil der Weltseele zu sein. Verliert nun ein Mensch sein Bewußsein, so verliert er sich selbst.

Hat aber ein Mensch sich selbst verloren und sich aufgegeben, so hat er das Besondere, da Eigentliche verloren, weswegen ihn die Natur als Mensch geschaffen hat. Und niemals kann man so sicher sein als in diesem Falle, daß man es mit etwas Unnotwendigem zu tun habe, mit einer leeren Form, mit etwas, das von der Weltseele schon längst verlassen wurde. "

S. 59 "Beineberg: Solche Menschen wie Basini, sagte ich dir schon früher, Bedeuten nichts – eine leere, zufällige Form. "

Die Folter: Drohung, Entwürdigung, Entmenschlichung, rohe Gewalt ,Entkleidung (Vergleich: Reise hinter den Spiegel: ebenso, Entkleidung.)

S. 57 "Törleß erschrak. Er blickte erschrocken auf Beineberg. Dieser hatte die Augen bis auf einen kleinen Spalt geschlossen und erschien ihm wie eine unheimliche, große, ruhig in ihrem Netze lauernde Spinne. Seine letzten Worte klangen kalt und deutlich wie die Sätze eines Diktats in Törleß´ Ohren. "

S. 68 "Das Schloß leistete Widerstand. Es saß durch eine jahrelange Ruhe fest und wollte dem Nachschlüssel nicht gehorchen. Eindlich schlug es mit einem harten Laut zurück; der schwere Flügel rieb widerstrebend im Roste der Angeln und gab zögernd nach.

Aus dem Bodenraum schlug eine warme, abgestandene Luft heraus, wie die kleiner Treibhäuser. .. Überhaupt war die ganze Umgebung äußerst beklemmend: Die Hitze unter dem Dach , die schlechte Luft und das Gewirre der mächtigen Balken, die teils nach oben zu sich im Dunkel verloren, teil in einem gespenstischen Netzwerk am Boden hinkrochen.

..Da knarrte am entgegengesetzten Ende im Dunkeln die Tür. Es folgten einige unsichere Schritte, das Anschlagen eines Fußes gegen dröhnendes Holz, ein mattes Geräusch, wie von dem Aufschlagen eins Körpers...Stille... Dann wieder zaghafte Schritte.. Warten.. Ein leiser menschlicher Laut...."

S. 69

" Und in dem Augenblicke gab ihm Reiting einen Faustschlag ins Gesicht, so daß er rückwärts taumelte, über einen Balken stolperte, stürzte, Beineberg und Reiting sprangen ihm nach. Törleß unterschied aus den Geräuschen, daß sie Basini die Kleider vom Leibe zogen und ihn mit etwas Dünnem, Geschmeidigen peitschten. Sie hatten dies alles offenbar schon vorbereitet gehabt.

Er hörte das Wimmern und die halblauten Klagerufe Basinis, der unausgesetzt um Schonung flehte, Schließlich vernahm er nur noch ein Stöhnen, wie ein unterdrücktes Geheul, und dazwischen halblaute Schimpfworte und die heißen leidenschaftlichen Atemstöße Beinebergs. "

Der unbewußte Grund des Folterns: Musil: Befriediung von Machtlust, sexuelle Erregung (Vergleich: Reise hinter den Spiegel: Befriedigung von Machtlust und Kontroll-Lust)

S. 70

"Törleß fühlte sich durch diese klagenden Laute angenehm berührt. Wie mit Spinnenfüßen lief ihm ein Schauer den Rücken hinauf und hinunter; dann saß es zwischen den Schulterblättern fest und zog mit feinen Krallen seine Kopfhaut nach hinten. Zu seinem Befremden erkannte Törleß, daß er sich in einem Zustande geschlechtlicher Erregung befand. "

S. 72

Entwürdigung: Der Gefolterte: ein Tier (Vergleich mit Reise hinter den Spiegel: Der Gefolterte: eine zweibeinige Sackratte)

"Dort setze dich nieder! Reiting wies auf den mächtigen Balken. Basini gehorchte. Reiting hub an zu sprechen an: Du hast wahrscheinlich schon geglaubt, daß du fein heraus bist; was? (...)

Basini macht eine abwehrende Bewegung. Reiting drohte wieder auf ihn zu springen. (..) Es trat ein kurzes Schweigen ein. Da sagte plötzlich Törleß leise, fast freundlich: Sag doch, ich bin ein Dieb.

Basini machte große fast erschrockene Augen. Beineberg lachte Beifällig. Aber Basini schwieg. Da gab ihm Beineberg einen Stoß in die Rippen und schrie ihn an:

Hörst du nicht , du sollst sagen, daß du ein Dieb bist! Sofort wirst du es sagen!

Abermals trat eine kurze, kaum wägbare Stille ein; dann sage Basini leise, in einem Atem un mit möglichst harmloser Betonung: ich bin ein Dieb. Beineberg und lachten vergnügt zu Törleß hinüber: Das war ein guten Einfall von dir, Kleiner, und zu Basini: Und jetzt wirst du sofort noch sagen : ich bin ein Tier, ein diebisches Tier, Eurer diebisches schweinisches Tier!

Und Basini sagte es, ohne auszusetzen und mit geschlossenen Augen. "

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Donnerstag, Juli 31, 2008

Filmszenen I ..wenn Du wüßtest, wo Du hier hingeraten bist...in: Reise hinter den Spiegel. Teil 1. Regie: Wolf Vogel, 1989

Filmszenen I ..wenn Du wüßtest, wo Du hier bist...in: Reise hinter den Spiegel. Regie: Wolf Vogel, 1989

Teaser Film Reise hinter den Spiegel, 1989. Regie: Wolf Vogel

Bildquelle und Bildrechte bei Produktionsgesellschaft und Fernseh-Sender. 1988-89

Die Figuren, die die Handlung dieses Fernsehfilmes vorantreiben, üben extreme, unverständliche Gewalt gegen Schutzlose aus. Wir besprechen den Film, da die Künstleragentur unseres Hauptdarstellers den Film nicht verschweigt.

Um mögliche Mißverständnisse über die Bedeutung der Filmfigur Eddie zu minimieren, werden wir dieses Mal in einem größeren filmhistorischen Zusammenhang einführen und die Filmszenen durch Kommentare unterbrechen. Es wird nicht möglich sein, eine unkommentierte Version einer Szene downzuloaden und deren Bedeutung in negativem Sinne misszuverstehen.

Der Film "Reise hinter den Spiegel" ist im Zusammenhang mit Robert Musils Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906), der 1966 von Volker Schlöndorff unter dem Titel "Der junge Törleß " verfilmt wurde
und im Zusammenhang mit der Filmfigur "Bock" in "Es geschah am hellichten Tag " (Regie: Nico Hofmann, Produktion: Bernd Eichinger) zu verstehen.

Frühe Filmprojekte Ferchs lassen filmstilistisch einen Anschluß an den "Neuen Deutschen Film ", der sich seinerseits an den französischen Film der Nouvelle Vague anschließt, erkennen.

In der Rolle des Eddie exemplifiziert die Figur einen jungen Täter.

Der Film von Wolf Vogel und die Figur Eddie wollen ein Nachdenken über das Phänomen Gewalt aus Gründen von Xenophobie anregen. Die Figur des jungen Gewalttäters macht sich zum Werkzeug für den Zuschauer, ein solches Nachdenken auszulösen.

Unreflektierte Gewaltverherrlichung ist nicht die Sache des Films und nicht die Sache der Filmfigur Eddie.

Stellt Ferch in Reise hinter den Spiegel einen Täter dar, der zusammen mit seinen Kameraden den Fremdling quält, übernimmt er 1996 die Rolle des Hans Lederer, genannt Bock in der German Classics-Version von Es geschah am hellichten Tag (Regie: Nico Hofmann): Hier wiederholt er fast vollständig spiegelgleich denselben Tathergang in der Rolle des Opfers . S.a. Theorie: Täter - Opfer .

Sogar visuell ist die Identität des Vorgangs in diesen beiden Filmen inszeniert: Hier sehen wir am Ende des Leidensweges von Arpad die Kreuzigungssymbolik des Ohnmächtigen mit beiderseits ausgestreckten Armen, dasselbe Bild wiederholt sich bei "Bock" am Ende des Verhörs, als zwei Polizisten den Bewußtlosen hinausschleppen.

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Im Jahr 2002 wurde die in Reise hinter den Spiegel fiktionalisiert dargestellte Quälerei eines "Untermenschen " bis zu dessen Tod im Dorf Potzlow (Uckermark, Brandenburg) Realität.

Im brandenburgischen Dorf Potzlow wurde im Sommer 2002 der 16-jährige Marinus Schöberl von den neonazistischen Brüdern Marco und Marcel Schönfeld zusammen mit deren Bekannten Sebastian Fink getötet. Schöberl trug blondierte Haare, Hip-Hop-Hosen und stotterte. Für die Täter war dies ein Grund, ihn als „Untermenschen“ und als „nicht lebenswert“ zu verachten. Die Täter hatten ihr Opfer, das zu Marcels Bekanntenkreis gehörte, stundenlang gefoltert – unter den Augen von mindestens drei erwachsenen Potzlowern. Nachdem die drei Schöberl mehrere Stunden misshandelt, ihm Schnaps eingeflößt, ihn geschlagen und auf ihn uriniert hatten, brachten sie ihn in einen nahe gelegenen Schweinestall. Dort forderten sie Marinus Schöberl auf in die Kante eines steinernen Schweinetrogs zu beißen und Marcel sprang – in Nachstellung eines „Bordstein-Kicks“ aus dem Film American History X – mit Sicherheitsschuhen auf Schöberls Kopf. Danach warfen die Brüder noch zweimal einen Stein auf den noch atmenden Jungen und versenkten den später leblosen Körper in der Jauchegrube des Stalls. Quelle: wikipedia.de

Andres Veiel (Black Box BRD ) entwickelte über diese Todesfolter und Mord durch Skins an einem Wehrlosen aus Xenophobie das Theaterstück Der Kick und den Dokumentarfilm Der Kick .

Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen , unter anderem "Bester Film 2006"

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2007


Als "eindrucksvolles Protokoll einer sozialen Aufmerksamkeit" würdigt Harry Nutt dieses Buch des Filmemachers Andres Veiel über den grausamen Mord von Potzlow.

Er lobt die genauen Recherchen des Autors, die intensive Gespräche mit den Tätern und ihren Angehörigen, aber auch mit den Hinterbliebenen des Opfers, einschließen.


Dass der Autor dennoch auf Probleme wie die Gewaltverherrlichung in Filmen hinweist, findet Mönch in Ordnung, sieht sie in Veiel doch keinen Ankläger, sondern einen gewissenhaften und differenzierenden Chronisten, der bereitstellt, "was der Leser braucht, um sich ein Urteil bilden zu können".


Die Rekonstruktion des Tathergangs enthüllt für Nutt ein "Horrorszenario" aus sozialer Deformation, Hilflosigkeit und Alkoholismus. Dabei hebt er hervor, dass Veiels Darstellung frei von "eindimensionalen" Schlüssen ist.


Mit psychologischen Spekulationen halte sich der Autor weitgehend zurück, um stattdessen Schicht für Schicht in einer dichten Beschreibung die "Scherben eines sozialen Desasters" zusammenzutragen.


Nutt unterstreicht zudem Veiels Ausleuchtung des gesellschaftlichen Hintergrunds, vor dem sich die Tat abspielte: die verdrängte, unbewältigte ins Kriegsjahr 1944 zurückgehende Gewaltgeschichte des Ortes.


Quelle: perlentaucher.de


Informationen zum Buch "Der Kick" auf perlentaucher.de->
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Deutlich wird bei Ferch in den neunziger Jahren, gleich am Beginn der Filmschauspiel-Karriere, der Anspruch, aktuelle, brisante und psychologisch anspruchsvolle Themen zu bearbeiten. Dies im Sinne der Tradition des Oberhausener Manifests des Neuen Deutschen Films.
Heino Ferch war 1996 von Volker Schlöndorff mit der Rolle des Napola - Kommandanten Raufeisen in Schlöndorffs Antinazistischem Film "Der Unhold " besetzt worden .

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