Montag, September 15, 2008

Filmszenen I ...ich fühl´ Franky gar nicht mehr...in: Koma -lebendig begraben. Teil 4.

Heino Ferch - Franky. Regie: Uwe Janson 1996-97

Teaser Film Koma-lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche. Regie: Uwe Janson 1996-97

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

Vor der Szene


Franky erfährt im Krankenhaus, dass Lisa ins Koma gefallen ist. Nein, erfährt er, aufwecken kann man sie nicht. Sie schwebt zwischen Tod und Leben und nur sie selbst kann sich einen Weg zurück ins Leben bahnen, wieder aufwachen.

Anwesenheit und Stimme von Angehörigen, können sie dabei unterstützen.


Lisa liegt allein in einem Zimmer der Universitäts-Poliklinik in der Pettenkofer Strasse (Foto 1, Foto2 , Foto 3), die Augen offen, starr ins Nichts gerichtet.


Wir erleben die nächsten Wochen dort in diesem Zimmer.


Lisa liegt im Krankenhaus im Koma in: Koma - lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche

Bildquelle ndf.de und alle Bildrechte beim TV-Sender SAT.1

Franky´s Schock, den Zustand seiner Frau irgendwie zu begreifen., Besuch mit den Kindern – keine Reaktion - , Besuch zusammen mit Ben, die beiden Männer spinnen vor Lisa herum, tanzen zu lauter Musik, singen – sinnlos.


Lisa lächelt nicht, zeigt keine Reaktion, ihre Augen immer gleichartig starr offen, es ist kein Durchdringen zu ihr. Tage und Tage vergehen, Franky versucht immer neue Reize, streichelt ihre Haut mit einer Vogelfeder, legt sich zu ihr auf ihr Bett damit sie seine Anwesenheit spürt, liest ihr vor, wir sehen, dass er offensichtlich tagelang bei ihr bleibt, nur abends nach Hause fährt.


Eines Tages, als er und Ben abends nach Hause gehen wollen, kämpft sich ihr Bewusstsein an die Oberfläche.


Ich muss hier raus


sagt sie drängend, als würde sie verfolgt.


Holst Du mich hier raus?


Franky, erleichtert von dem tonnenschweren Druck der Sorge, dass Lisa sterben könnte, verspricht es gerne.

Die Todesgefahr scheint überwunden, Lisa ist wieder bei Bewusstsein.


Jetzt taucht Mika auf, abends nach Besuchs-Schluß hat sie sich hereingeschlichen. Mika wirkt bedrohlich. Lisa soll Mika aus ihrer Einsamkeit helfen.

Lisas schwachen Versuch, sie wegzuschicken, ignoriert sie. Sie sagt zu Lisa:


Jetzt kommen sie noch jeden Tag, - aber in ein paar Monaten ham´ die Dich vergessen….


Mika regt Lisa so sehr auf, dass das Erreichte wieder verloren geht.


Als Ben und Franky und die beiden Mädels von Franky und Lisa, Sophia und Kim, am anderen Tag mit Rosen und Geburtstagstorte das Krankenzimmer betreten, ist Lisa wieder in der Zwischenwelt ihres Komas versunken.


Als Franky sieht, dass seine Frau wieder dort ist, von wo er sie tags zuvor nach Wochen und Wochen von Hoffnung, Unsicherheit, Einsatz und Geduld herbeigeholt hatte, lässt er die Hoffnung sinken.


Nach einem weiteren durchwarteten Tag verlässt er am Abend das Zimmer, wie so oft schon. Nur wir sehen, dass Lisa doch irgendwie da ist. Franky stand hinter ihr am Kopfende des Bettes und blickte durch die halbgeschlossenen Lamellen der Jalousie nach draussen.


Erinnerung lässt ihn leise die ersten Töne von You are my lucky star wherever you may are… pfeiffen.


Wir sehen Lisa dabei ganz nah. Ihre starr aufgerissenen Augen füllen sich mit Tränen, eine davon läuft aus dem Augenwinkel und tropft auf ihr Kopfkissen. Wir wissen jetzt, dass Lisa noch immer den Weg zurück ins Bewusstsein sucht.


Das Gespräch mit dem Chefarzt anderntags draussen im Atriumgarten der Klinik baut Frankys Glauben an eine Genesung weiter ab. Jeder weitere Komatag, sagt der Arzt, verringert Lisas Chancen auf eine Rückkehr.


Franky sitzt da auf einer dieser Ruhebänke, die im Atriumhof der Klinik stehen, in seinem blau karierten Arbeitshemd, und wir sehen, dass seine Haltung sich ganz von Vielleicht ja auf Sicher nein ändert. Die Hoffnung scheint ihn zu verlassen und damit auch der Wille, Lisa mit aller Kraft seiner Energie auf ihrem Weg zurück hierher zu unterstützen.


Die Szene


..folgt demnächst in diesem Theater....

- - -

Kommentar1:


Der Ort des Geschehens - ein Krankenhaus: s.a. auch in: Grüne Wüste (Kind im Krankenhaus), Das Baby der schwangeren Toten (Frau ebenfalls im Koma im Krankenhaus), Gefährliche Verbindung (Kollege im Krankenhaus), Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde (Georg besucht Frau Frühauf), Das Leben ist eine Baustelle, (Schwangerschaftstest im Krankenhaus), Winterschläfer (das Kind im Koma im Krankenhaus), Der Tod kam als Freund (Weg ins Krankenhaus nach Rettung a.d. Fluss), Single sucht Nachwuchs (Wo ist sie? Im Krankenhaus! Sie bekommt ein Kind!), Straight Shooter (auf dem Krankenhausflur), Feuerteufel (Bender nach Anschlag im Krankenhaus), Nachts im Park (Lumis ist Krankenhausärztin), Hölle im Kopf (Arztpraxis), Die Luftbrücke (Krankenhaus Berlin), Schatz von Troja (Lager wird Kranken"haus"), Auf ewig und einen Tag (Suche nach Gregor im Krankenhaus, Geburtsbegleitung im Krankenhaus).


Kommentar 2:


Koma variiert, bis in die Szene des ersten Besuches am Krankenbett, das Thema von Das Baby der schwangeren Toten. In beiden Fällen steht der Protagonist vor seiner Gefährtin, die zwar körperlich anwesend ist, deren Geist und Seele hinter einer Mauer unerreichbar verborgen sind.

In beiden Fällen wird die Fassungslosigkeit und das Nicht-Wahrhaben-Wollen einer solchen Ungreifbarkeit thematisiert. In Das Baby konzentriert sich der Protagonist nach einer Weile auf das Herbeiholen dessen, was noch greifbar ist und Zukunft verspricht:das Baby,


in Koma ist das Thema Beistand aus Hoffnung, Loslassen des Beistandes, weil Hoffnungslosigkeit den unbedingten Willen zur Hilfestellung schwächt und neu erstarkenden Wille, alles zu versuchen, mehr noch als alles. - Eine Anstrenung, die belohnt wird.


Der dritte Fall, Straight Shooter, thematisiert das unwiederbringliche Loslassen - Müssen. Das Kind stirbt dem Protagonisten, trotz allen Einsatzes um das Leben des geliebten Menschen, unter den Händen.


Der Beruf des Falkners: Hörbild auf Focus - Die Talkshow->

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Montag, September 01, 2008

Filmszenen I ...Nein! Ich will nich. Ich bin nich´ tot. Ich lebe!... in: Koma. Teil 3B.

Heino Ferch - Franky. Regie: Uwe Janson, 1996-97

Teaser Film Koma-lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche. Regie: Uwe Janson 1996-97

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

Die Szene

Im Wald. Steiler Abhang. Lisa´s Wagen liegt auf dem Dach. Die Autotür ist aufgesprungen. Irgend etwas plätschert, läuft aus.

Wir hören atmen.

Wir neben der offenen Tür. Lisa zerrt Claire rückwärts im Rautek-Griff aus dem Wagen. Lisa hat eine große Schulterwunde. Claire´s Kopf ist blutüberströmt.

Einen Augenblick sehen wir auf Claires Beine, der rechte Unterschenkel ist abgerissen. Sie ist bewusstlos. Lisa zerrt Claire rückwärts vom Wagen weg. Sie kauert sich nieder, Claire im Arm.

Claire erwacht, ist ansprechbar. Lisa drückt ihre Freundin an sich, schaukelt hin und her.

Claire, verwaschen:

…dass das so plötzlich ging….

Claires Augen fixieren nicht.

Lisa drückt ihren Kopf an Claires

..Claire!...

Sie merkt, dass ihre Freundin das Bewußsein verliert, rüttelt sie

…Komm! Bleib da!

Sie ruft sie bei ihrem Kosenamen:

..Scheusal!..

Claire, ihre Stimme ist fast ein Flüstern.

…das hätte ich auch einfacher haben können.

Sie lächelt Lisa an, Lisa schüttelt Claire

Hey! Hey!

Claires Augen drehen weg, die Lider fallen zu. Claire ist bewusstlos.

Lisa bekommt richtig Angst um Claires Leben.

Claire!

Claire! Komm!

Wach auf!

Sie lässt ihre Freundin auf den Waldboden niedersinken. Versucht einige Züge Mund-zu- Mund-Beatmung. Nach der dritten Gabe quillt ein Blutschwall aus Claires Mund.

Lisa nimmt erschrocken die Hände vom Gesicht ihrer Freundin, versucht es dann noch einmal. Wieder ein Blutschwall. Er läuft über Lisas Hand. Lisa zuckt zurück. Wieder will sie Claires Kopf an sich drücken.

Jetzt geht ihr Blick weg vom Unfallort. Zum ersten Mal denkt daran, Hilfe zu holen. Sie sieht, dass sie allein ist. Beginnt zu weinen. Schaukelt mit der toten Freundin im Arm hin und her, wie ein einsames Kind, das seine Puppe an sich presst. Weint.

Totale. Bäume. Abhang. Das Wrack auf dem Dach. Daneben liegt Claire, Lisa hat ihren Kopf noch gestützt. Nutzlos jetzt.

Schnitt.

Wir sehen Lisa stehen.

Sie ist benommen, blickt sich um. Auch ihr Kopf ist Blut verschmiert. Ist es Claires Blut, Lisa´s? Aus der Nase rinnt Blut. Wir sehen, sie ahnt halb unbewußt, dass sie jemanden holen muss. Sie dreht sich um die eigene Achse, sucht Orientierung.

Flashback.

Die kleine Lisa auf dem Arm ihres Vaters. Lisa lacht. Der Vater am Fenster. Er zieht die Vorhänge zu. Der Vater nah, ganz nah, er ist benommen vor Schmerz. Die kleine Lisa direkt vor ihm, sieht zu ihm hoch. Versteht nicht.

Heute.

Lisa beginnt automatisch vorwärts zu gehen, schwankt. Blickt hoch in die Baumwipfel.

Flashback.

Die Baumwipfel drehen sich rasend im Kreis. Eine leere Schaukel schwingt zurück und vor.

Lisa hat das Straßenniveau erreicht. Sie wirft einen Blick die Straße entlang, beginnt mit erstaunlicher Kraft an der Mauerflankierung entlang zu rennen. Nach zwanzig Metern etwa wird sie langsamer, ihre Arme sinken herab, sie schwankt, geht. Wieder hören wir ein Wasserrinnsal. Lisa scheint nichts mehr zu denken, alles geschieht automatisch.

Jetzt bricht sie nieder. Bleibt bewusstlos auf dem Asphalt liegen. Neben ihr eine Nische in der Wand, ein schmaler Quell entspringt dort, das Wasserrieseln ist das letzte, was wir hören. Wir entfernen uns schnell immer weiter von der Bewusstlosen.

Schnitt.

Lisa ganz nah. Im Profil. Um sie herum Dunkelheit, von aussen kommt ein helles Licht. Lisa blickt dem Licht entgegen.

Claire?

Sie blickt sich um.

Scheinbar sieht sie ihre Freundin.

..ich hab´das nich´gewollt. ..

Aus dem Dunkel taucht Claires Kopf auf. Sie hat keine Wunden mehr. Sie sieht starr und kalt, gefährlich aus.

Ich weiss.

Sagt sie. Wir sehen Lisa nicht, Claire sieht sie.

Lisa atmet auf.

Es tut mir leid. Sagt sie. Dann beginnt sie zu pfeifen. Sie kommt an uns vorbei. Geht wieder auf das Licht zu. Dreht sich weg, zurück zu Claire.

Fragt:

Claire? Bist Du tot? ……..Das ist meine Schuld.

Claire kommt näher. Jetzt sieht sie freundlicher aus, lächelt. Claire:

Unter Freunden gibt´s keine Schuld.

Hauptsache zu pfeifst nich´ mehr so entsetzlich.

Die beiden Frauen legen ihre Stirnen aneinander, die Augen geschlossen.

Claire, nach einer Weile:

Lisa? … Du wirst auch sterben, bald.

Claire:

Ich? .. Nein! Ich will nich. Ich bin nich´ tot. Ich lebe.

Ich lebe!!

Schnitt.

1996-97 Heino Ferch (im Alter von 33) - Der Falkner Franky Esche, Lisa´s Lebenspartner, Antje Schmidt – Lisa, Juliane Köhler – Lisas Freundin Claire, Jürgen Tarrach – Ben, Frankys Mitarbeiter und Freund der Familie, Ulrike Panse - Mika

Interview mit Heino Ferch zum Film Koma-lebendig begraben->

Kommentar: An dieser Stelle sei wieder einmal auf die Szene aus Das Wunder von Lengede "..und er hat sein helles Licht bei der Nacht. .." verwiesen.

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Filmszenen I ... ich will solche Leute nich´ im Haus haben....in: Koma - lebendig begraben. Teil 3A . Buch und Regie: Uwe Janson 1996-97


Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft Heino Ferch - Franky Esche. Buch und Regie: Uwe Janson 1996-97

Vor der Szene

Wir besuchen Lisa (Antje Schmidt) zu Hause. Sie wohnt mit Franky (Heino Ferch), ihrem Lebensgefährten, auf einem paradiesischen Bauernhof im Bayerischen Oberland.

Koma - lebendig begraben. Franky´s und Lisa´s Haus

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

Grüne Hügel, Pferde, die Alpen nur einen Steinwurf entfernt, ein Bach, eine Gumpe. Wir beobachten Lisa und Franky. Wie Adam und Eva im Paradies, spielen sie im Wasser dieses kleinen Teiches miteinander, gemeinsam tauchen sie ein in das Wasser, das Element des Lebens.

Koma - lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

Franky hat für Lisa tausend kleine Lichter angezündet, sie schwimmen auf dem See, leuchten am Ufer, glühen am Hügel, bilden ein riesiges Lichter-Herz. Zehnjäriges Jubiläum. Das Glück scheint vollkommen.

Lisa und Franky haben zwei Töchter, Sophia und Kim.

Koma - lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

Im ehemaligen Stall hat Franky seine Falknerei eingerichtet. In großen Volieren sitzen Falken, Adler, Eulen. Ben (Jürgen Tarrach) ist sein Mitarbeiter und Freund der jungen Familie ohne Trauschein.

Lisa ist irritiert vom Eindringen der Kälte, Härte, dem Schock über des Vaters Selbstmord und der Verlorenheit ihrer Kindheit, in ihr heutiges Leben. Immer wieder hat sie aus heiterem Himmel Flashbacks, immer wieder der Vater, der Schuß, die Selbsttötung, die Angst des Kindes allein im Keller eingesperrt, vergessen, gehaßt.

Keiner holt mich hier raus!“ hört sie.

Im polizeilichen Einsatz gefährden solche Flashbacks ihre und ihrer Klienten Sicherheit. Lisa nimmt drei Monate Urlaub.

Ihre Freundin und Lieblingskollegin Claire (Juliane Köhler) besucht Lisa zu Hause.

Lisa hat sich in einem Moment der Schwäche gegen den ausgesprochenen Willen von Franky breitschlagen lassen, Mika, das Mädchen vom Dach, für eine Zeit auf ihrem Hof als Kindermächen aufzunehmen.

Franky ist sicher, Mika ist eine kranke Person, eine unberechenbare Psychopathin.

Koma - lebendig begraben. Heino Ferch - Franky

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

Ihn stört die Anwesenheit eines solchen Menschen massiv. Man diskutiert erregt. Schlußendlich gibt er Lisa´s Wunsch, Mika zu behalten, nach. Er liebt Lisa.

Mika, in sich eingekapselt, lebt neben der Familie her, ihr Wunsch nach Nähe und Selbstbestätigung wächst.

Koma - lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

An einem heißen Nachmittag im Stall entkleidet sie sich plötzlich, nähert sich unvermittelt von hinten und bettelt Franky um körperliche Zuwendung an.

Franky – völlig überrascht von der Situation – setzt nicht schnell genug die Grenze. Er reagiert nicht klar und unmissverständlich deutlich und natürlich betritt Lisa exakt in diesem Moment den Stall.

Was sieht sie?

Franky im ärmellosen T-Shirt und Mika, ohne Kleid, die Hände an Franky´s Gesicht, scheinbar kurz nach einem Kuss.

Vertrauensbruch.

Lisa rennt zum Auto, will weg. Claire wartet im Auto, beide wollten nur kurz Bescheid sagen, dass sie wegfahren, der Motor läuft. Franky hat keine Chance. Sie hört nichts mehr. Er kann nichts erklären. Er kann sie nicht aufhalten. Lisa rast davon.

Die Szene:

Weiter geht´s um 23:00hrs.

- -

Kommentar 1: Die grüne Jacke mit dem hochgeschlagenen Kragen, die Franky hier im Streitgespräch mit seiner Lebensgefährtin Lisa trägt, finden wir wieder in Das Konto, z.B. in der Szene, in der Dr. Mühlhausen mit seiner Frau sich in einem Hotel am Meer versteckt. Kurz vor einem klärenden Streitgespräch.In beiden Fällen steht der Mann in einer scheinbar schuldhaften Verstrickung.


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Sonntag, Juli 13, 2008

Filmszenen I ...ich rette Dich!... in: Koma - lebendig begraben. Teil 2.

Buch und Regie: Uwe Janson 1996-97

Teaser Film Koma-lebendig begraben. Heino Ferch - Franky Esche. Regie: Uwe Janson 1996-97

Bildquelle und Bildrechte bei SAT.1 und ndf Neue Deutsche Filmgesellschaft

...ich rette Dich!... in: Koma - lebendig begraben. Teil 2. Heino Ferch - Franky Esche. Buch und Regie: Uwe Janson 1996-97

Rückblende: alles in Blautönen.

Das kleine Mädchen schaukelt im Garten auf einer Schaukel. die Schaukel ist am Ast eines großen alten Baumes befestigt.

Es springt ab, läuft den Gartenweg entlang, singt vor sich hin.

Dann blickt es in das Wohnzimmerfenster hinein.

Uns irritiert ein schwer saugendes Atemgeräusch.

Schnitt.

Zwei Menschen, n a. k t, jung, schön, geschmeidig, in einem Liebesakt auf dem weichen Teppich des Wohnzimmers.

Schnitt auf das Kind. Es steht außen vor den wandhohen Glasfenstern des Wohnzimmers, eine Hand am Glas der Scheibe und blickt auf das Liebespaar.

Die Frau, mitten im Akt, wirft einen Blick nach dem Wohnzimmerfenster, sieht das Kind.

Schnitt auf das Mädchen, es blickt immer noch auf die beiden, wir hören das schwere Atmen der Frau, erregt, sie stöhnt im Rhythmus der Stöße des Mannes über ihr.

Schnitt.

In Farben.

Lisa ohne Kleidung sitzt zu Hause in ihrem Haus auf dem WC-Sitz.

Sie bedeckt ihr Gesicht mit den Händen. Blickt vor sich hin. Wir verstehen, sie erinnert sich. Das Mädchen ist sie selbst.

Lisa !

hören wir

Schnitt.

Alles in Blau.

Lisa!

Ein Mann Mitte dreissig, kariertes Hemd, Schiebermütze, schwarzes Bauernwestchen, wohl ein Arbeiter oder Bauer, läuft durch den Garten. Im Hintergrund am Schopf sehen wir Feuerholz aufgestapelt, Fahrräder, Mopeds: ein Haus auf dem Land.

Der Mann bückt sich.

Hopp!

Als er wieder aufsteht, ist ihm sein Töchterchen in den Arm geflogen, er hebt sie hoch, lacht vergnügt.

Augen zu!

Die beiden gehen einige Schritte am Schuppen vorbei, sind jetzt vor der Wohnzimmerfront.

Er stellt sie wieder auf den Boden.

Guck mal, was ich Dir mitgebracht hab!

Das Kind:

Komm Papa, spiel mit mir!

Plötzlich dreht sich der Mann vom Kind weg, lässt es hinter sich. Aus dem Augenwinkel hatte er im Wohnzimmer etwas wahrgenommen. Er geht von uns weg, näher an das Fenster heran. Wir sehen gerade noch seine ruckhafte Bewegung, als würde er erschrecken.

Schnitt.

Zwei Hände laden eine Flinte durch. Wir sehen sofort am karierten Hemd und der Weste, dass es Lisas Vater ist.

Sein Gesicht nah: verhärmt, verarbeitet, Bartstoppeln, ein Mann, der offensichtlich kein leichtes Leben geführt hat. Er ist atemlos erregt, der Mund geöffnet.

Schnitt.

Die Beine des Mannes. Er geht schnell, wir sehen den Lauf des Gewehrs. Er stößt eine Tür auf. Die Terrassentür.

Wir draussen, beim Kind, es ist seinem Vater hinterher gegangen.

Ein Mann schreit:

Lass sie los!

Eine Frauenstimme kreischt, überschlägt sich:

Lass ihn in Ruhe, verschwinde!

Die Frau gibt einen Schrei von sich. Das Mädchen ist an der offenen Terrassentür angekommen, es hat einen Plüschdelfin in den Armen.

Wir stehen mit dem Kind an der Terrassentür, blicken hinein.

Ein Knall.

Dem Mädchen fliegt etwas ins Haar, ein Luftstoß, und: Blut.

Ein na . k ter Mann fällt direkt auf uns zu, vor unseren Füßen schlägt sein Kopf am Boden auf.

Schnitt.

Wir sehen, wie das Mädchen am Schuppen vorbei vom Haus zu Wiese und Waldrand wegrennt.

Schnitt.

Die na . kt e Frau hat sich eine Decke vor den Leib gezogen, versucht, durch die Terrassentür nach draussen zu fliehen.

Der Vater steht immer noch mit dem Gewehr im Anschlag vor seinem toten Opfer.

Schnitt.

Das Kind im Keller. Es hat sich dort hinter den Kartoffelsäcken versteckt.

Der Vater nah. Er öffnet die Tür, kommt herein, erregt, immer noch offener Mund.

Er setzt sich. Wir wissen, er hat sein Töchterchen nicht bemerkt.

Ohne zu zögern beugt er sich über den Gewehrlauf, langt nach dem Abzug und drückt ab.

Mit dem Knall kehren wir in die Gegenwart zurück. Alles wieder in Farbe.

Lisa als erwachsene Frau, heute, unter der Dusche. Sie steht mit dem Rücken zu uns unter den Wasserstrahlen, wir haben den Eindruck, sie will sich das Erlebte vom Leibe spülen lassen vom Wasser, das wärmt und reinigt.

Lisa nah. Sie dreht ihr Gesicht in den Wasserschwall. Wischt sich über die Haare, dann die Wangen, schließt die Augen, - öffnet sie wieder.

Rückblende. Alles in Blau.

Eine blonde Frau im Schlangendruck-Twiggy-Minikleid mit Flower-Power-Halsketten zerrt das Mädchen herunter zu uns. Die Kellertreppe herunter.

Jetzt wirst Du sehn, was Du Deinem Vater angetan hast.

Das Kind wehrt sich, versucht, sich am Handlauf festzuhalten:

Nein, Mama! Es tut mir…

...wir verstehen kaum...

weh…

Du Miststück!

schreit die Frau

Du falsches Luder!

Sie stößt das Kind in einen Vorratsraum. Eine na c kt e Glühbirne hängt von der Decke.

Hasserfüllt:

So hat´s Dein Vater jetzt. So ist es, wenn man tot ist!

Sie starrt zu uns nach unten, packt die Kellertür, schlägt sie zu.

Schnitt. Heute.

Lisa nah. Sie hat sich zur Wand gedreht, fährt sich unter dem Rieseln, dem Wasserstrom durch das Haar. Senkt den Kopf.

Etwas Dunkles bewegt sich durchs Bild. Ein Arm. Eine Sekunde später verstellt ein zweiter Kopf und Rücken den Blick auf Lisa.

Franky ist zu ihr in die Dusche gekommen, schmiegt sich von hinten an sie und führt ihre Arme um seinen Hals.

You are my lucky star

hören wir seinen weichen Bariton.

Lisa erwacht. Küßt ihn.

Du siehst aus wie ein Engel!

sagt sie.

Du rettest mich!

Franky nimmt ihre Worte auf:

…ich rette Dich…

sagt er, verliebt, verspielt.

Beide wissen noch nicht, dass aus dem Spiel bald mehr als ernst wird. -

Ein Engagement bis an die Grenze des Erträglichen.

Schnitt.

Hören statt Lesen: Audio.mp3-> zum Soforthören

1996-97 Heino Ferch (im Alter von 33) – Franky Esche, Lisas Lebenspartner seit zehn Jahren, Antje Schmidt – Lisa Tannert, Franky´s Lebenspartnerin und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder, Jochen Nickel – Lisas Vater, der Selbstmörder.

Kommentar 1:

Das Lied You are my lucky starist ein Song aus dem Film "Singin´in the rain mit Gene Kelly . Look & Listen auf youtube.de-> und führt weiter: you are my lucky charm (Glücksbringer). Dieses Lied kündigt Lisas Hoffnung während ihres kommenden Kampfes an.

Kommentar 2:

Lisa ohne Kleidung sitzt zu Hause in ihrem Haus auf dem WC-Sitz und erinnert ihr Kindheitstrauma von Vater und Mutter. (s.a. Auf ewig und einen Tag:. Na . kt auf dem WC Sitz erfährt Gregor traumatisierende Zusammenhänge über seine Eltern, seinen Vater)

Kommentar 3:

Das Kind schaukelt, Symbol für Sorglosigkeit. s.a. Es geschah am hellichten Tag (kurz zuvor, 1996-97) : Das potentielle Opfer, das kleine Mädchen Annemarie, schaukelt im Garten: ebenfalls Symbol von Sorglosigkeit und Ahnungslosigkeit.

Kommentar 4:

Die Zuflucht zum Wasser in seiner reinigenden und wärmenden Kraft nach verstörenden Erlebnissen in der visuellen Umsetzung als Dusch- oder Waschszene bleibt in HF-Filmen, m.E. ein Topos. (z.B.: Gefährliche Verbindung, Deutschlandlied, Der Tunnel, Le Lion, Das Konto, Die Mauer-Berlin 61)

offtopic

Porträt Fotografin GABO auf arte.tv bis 19.7. Heino Ferch in Ausstellung BIG SHOTS Sept. 2007 im Ritz Carlton in Cannes: Min 39:00

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