Montag, Juni 09, 2008

Filmszenen I ... Du wirst das Kind lieben- und dann kriegen wir noch vier dazu...! in: Marlene Teil D.


Teaser Film Marlene. Heino Ferch - Carl von Seidlitz. 1999- 2000

Bildquelle und Bildrechte bei perathon Filmproduktionsgesellschaft


... Du wirst das Kind lieben- und dann kriegen wir noch vier dazu!...Ja, so wird es sein. in: Marlene Teil D. Heino Ferch - Carl von Seidlitz. Regie: Joseph Vilsmaier, 1999-2000


Story line Film->


1930.


Nacht. Ein Straßenabschnitt in der Stadt. Ein luxuriöses Mercedes-Cabrio rollt heran, das Verdeck offen. Carl sitzt am Steuer, Marlene neben ihm.


Schnitt.


Die beiden direkt vor uns, durch die Frontscheibe des Wagens. Marlene hat ihren Kopf gegen Carls Schulter gelehnt, sie schlummert. Ihre Augen sind geschlossen.


Als der Wagen anhält, erwacht Marlene von dem kleinen Ruck, den die Bremsung verursachte.


Einen Augenblick lang scheint sie nicht zu wissen, wo sie ist, dann doch: sie ist in einer Abschiedsituation.


Marlene Dietrich und Carl Seidlitz (Katja Flint und Heino Ferch)

Bildquelle und Bildrechte bei perathon Filmproduktionsgesellschaft


Der Mann, dessen Wärme sie gerade noch fühlt, dessen Duft sie noch einatmet, wird bald aus ihrem Leben verschwunden sein.


Sie hebt den Kopf und blickt Carl an, - als wolle sie sich seine Gegenwart einprägen - für Zeiten, da nur ihre Erinnerung Carl herbeirufen wird.


Carl fühlt ihren Blick und erwidert ihn. Er, nein, beide scheinen genau zu wissen, dass das ein Auseinandergehen auf unbestimmte Zeit, vielleicht für sehr lange – oder immer – ist.


Sie wenden sie sich voneinander ab. Sie öffenen die Türen des Automobils. Sie erlauben der Melancholie nicht , Platz zu greifen.


Carl steigt aus und hält Marlene den Wagenschlag.


Jetzt stehen sie vor der Eingangstür des herrschaftlichen Stadt-Mietshauses, in dem Marlene mit ihrer Familie eine weitläufige Wohnung hat.


Marlene und Carl halten sich an einer Hand, mit der Geste eines begonnen und dann vergessenen Handkusses. Jetzt ist die Geste ein Einander-Festhalten.


Marlene:


Wie geht es denn nun weiter mit uns?


Carl:


Du sagst es mir.


Marlene geht einen Schritt, wendet sich wieder zu Carl. Er hält ihre Hand immer noch ganz leicht in seiner, er muss den Arm strecken, lässt jedoch nicht los. Es sieht aus, als wolle er sie bei sich behalten.


Marlene:


Du hälst mich zurück,


- du zwingst mich, hier zu bleiben.


Es gibt einen Skandal, ich werde geschieden,


Wir heiraten!


Schnitt auf Carl. Er lacht, wie man über eine glückliche, aber ferne Vision lächelt.


Marlene:


Du wirst das Kind lieben, - wie Dein eigenes!


Carl sieht Marlene in die Augen.


Marlene:


Wir kriegen noch vier dazu.


Carl lacht amüsiert auf über der Größe der Vision.


Marlene, wohlgelaunt, warm:


..und dann werden wir gemeinsam alt.


…auf dem Helenenhof.


Sie sieht ihn an. Ihr Gesicht leuchtet noch.


Schnitt auf Carl. Sein Lächeln spiegelt Marlenes Leuchten.


Dann, nach einer kleinen Pause, in der wir fühlen, dass Carl sich noch einen Augenblick lang den schönen Traum erlaubt, einen letzten winzigen Augenblick lang, bevor die letzten Worte gesprochen, die letzten Berührungen gefühlt, die letzten Blicke getauscht sind.


Er sagt:


Ja. So wird es sein.


Marlene bestätigt:


Ja.


So wird es sein.


Wir blicken Marlene ins Gesicht, dann Carl. Die Fröhlichkeit tritt ab.


Traurigkeit färbt ihre Augen dunkel.


Alles was jetzt zu sagen wäre, bleibt unausgesprochen.


Traurigkeit ist maßlos.


Welche Worte also?


Carl flüstert ihr ein


Na, geh schon!


zu, es sieht aus wie ein kleiner Kuss.


Marlene:


Erst Du.


Wir sehen Marlene ins Gesicht. Carl gibt ihr den Good bye kiss. Marlene schließt die Augen.


Als Carl schon wieder am Wagen ist:


Versprich mir, dass Du auf mich wartest, Carl.


Carl, leise:


Immer.


Schnitt.


Zeitsprung: 1937 - also ganze sieben Jahre später - in Salzburg.


1999-2000 Heino Ferch (im Alter von 36) - Carl von Seidlitz, Marlene Dietrich´s geheimer Geliebter, Katja Flint - Marlene Dietrich; Herbert Knaupp - Rudi Sieber, Marlene´s Ehemann; Christiane Paul - Tammy, das Kindermädchen, Theresa Vilsmaier - Maria Sieber, die Tochter

---


Kommentar:


Die Figur des geheimen Liebhabers Carl Seidlitz könnte eventuell in einzelnen Zügen den französischen Schauspieler Jean Gabin andeuten, der Marlene Dietrich lange Zeit ein guter Freund war. Jean Gabin trug oft fast schon als Markenzeichen eine Schiebermütze , wie Carl hier.


Interview Katja Flint zur Rolle der Dietrich auf kinoweb.de

Labels:

Filmszenen I ...Sag wo die Soldaten sind?.. in: Marlene. Teil E. Heino Ferch - Carl von Seidlitz. Regie: Joseph Vilsmaier 1999-2000

Teaser Film Marlene. Heino Ferch - Carl von Seidlitz. 1999- 2000

Bildquelle und Bildrechte bei perathon Filmproduktionsgesellschaft


...Sag, wo die Soldaten sind? Zogen fort, der Krieg beginnt.. in: Marlene. Teil E. Heino Ferch - Carl von Seidlitz. Regie: Joseph Vilsmaier 1999-2000


Die Szene.


Salzburg, Spätsommer 1937.


Ein herrlicher Sommertag. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne lacht. Das richtige Wetter für einen Ferientag in Salzburg.


Marlene flaniert mit Rudi, ihrem Gatten und Maria, ihrer Tochter, durch die Franziskanergasse. Die Familie betritt ein Geschäft und kommt kurz danach wieder heraus. – mit Tüten und Tütchen und – when in Rome, do as the Romans do – ganz in Tracht. Marlene und Maria im traditionellen Salzburger Dirndl und Rudi mit Trachtenjanker und Schleiferl.


Man kutschiert im Fiaker zum Domplatz , wir sehen, wie die Familie der offenen Kutsche entsteigt. Im Hintergrund der Residenzbrunnen, an dem schon Wolfgang Amadeus Mozart zu seiner Zeit vorbeieilte.


Schnitt.


Die Gitter des Loggia des Dom-Hauptportals , dort, wo während der Salzburger Festspiele das Bühnenpodest der Jedermann-Aufführung steht.


Hinter den Gitterstäben ein Gesicht.


Carl. Er hat Marlene und ihre Familie offensichtlich schon erblickt. Er wusste, dass Marlene heute in Salzburg sein wird, sie hatte es ihm geschrieben.


Er hat sie, will es scheinen, schon lange nicht mehr gesehen. Auch jetzt kann er nicht einfach auf sie zugehen – Marlene´s Familie.


Frau Dietrich, Frau Dietrich!


Ein Kind läuft Marlene nach, es will ein Autogramm von ihr.


Rudi und Maria gehen schon weiter, während Marlene sich zu dem Kind niederhockt und in dessen Poesiealbum die Seite mit ihrem Foto aufblättert.


Marlene ist nur wenige Meter von der Portalloggia entfernt, Carl beobachtet die beiden mit offensichtlich großer Aufregung. Er wirft noch einmal einen Blick nach Rudi und Maria - die beiden sind weit weg. Dann, erregt:


Lena!


Wir blicken mit Carl zwischen den Stäben des Gitters hinaus auf den Platz.


Marlene hört sofort. Sie sucht nach der Stimme. Steht auf. Kommt näher. Jetzt hat sie ihn erkannt, sie beginnt zu rennen. Jetzt ist sie bei uns hinter dem Gitter.


Augenblicklich nehmen sich die Beiden an den Händen.


Marlene:


Carl!


Carl und Marlene werden sich kurz danach in den Bergen weit oben bei einer Almhütte treffen. Sie lieben sich dort, aber schnell erzeugen die unterschiedlichen Lebenspläne der beiden Dissonanz. Man trennt sich wieder auf unbestimmte Zeit.


Carl ist Leutnant, Versorgungsoffizier, jetzt, zwei Jahre vor Kriegsbeginn, will er seinem Land zur Verfügung stehen. Marlene wird wieder in die USA zurückgehen.


Marlene und er werden sich noch einmal ganz kurz sehen, in einem kleinen Ruine, in einem Wäldchen in Frankreich. Carl wird zu dieser Zeit schon in der Resistánce sein, er hatte erkannt, dass er nicht dem Vaterland, sondern einem Raubmörder-Regíme gedient hatte.


Als Marlene nach Kriegsende aus den USA zurückkehrt, erzählt ihr Lotte, Carls Schwester , dass Carl noch kurz vor Kapitulation der Deutschen gefasst und standrechtlich hingerichtet worden war.


Marlene wird bis 1975 noch auftreten. Immer noch schlank, immer noch in ihrem legendären hautengen Kleid mit der bodenlangen Pelzstola.


Die Schluß-Szene.


Wir dürfen dabei sein.


Große Bühne, Publikum. Der rote Samtvorhang öffnet sich, Marlene erscheint und geht langsam zum Mikrofon.


Sie wird frenetisch beklatscht. Bravorufe. Die Menschen erheben sich von den Sitzen. Standing Ovations.


Sie beginnt mit einem ihrer legendären Lieder: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Nach der ersten Zeile unterbricht sie. Der Dirigent klopft ab.


Marlene, am Mikrofon ins Publikum:


Meine Damen und Herren, ich möchte heute abend mit einem anderen Lied beginnen.


Ich singe es für einen toten Freund.


Ich singe es für ihn und für alle anderen, die in die schrecklichen Kriege laufen mussten und nicht wollten.


Die sich auch gewünscht haben, dass diese Welt friedlicher wäre.


Das Leben gerechter.


Die Menschen glücklicher.


Is nich´so.


Sie gibt dem Dirigenten Zeichen, wir hören statt des vollen Orchesters eine einzelne Gitarre.


Marlene singt:


Sag´mir wo die Blumen sind


Wo sind sie geblieben?


Was ist geschehn?


Sag mir wo die Blumen sind


Mädchen pfückten sie geschwind


Wann wird man je verstehn?


(..)


Sag mir wo die Männer sind


Zogen fort, der Krieg beginnt


(..)

Sag wo die Soldaten sind


Wo sind sie geblieben

(..)

Was ist geschehn?


Sag wo die Soldaten sind?


Über Gräbern weht der Wind.


Wann wird man je verstehn?


Wann wird man je - verstehn.


1999-2000 Heino Ferch (im Alter von 36) - Carl von Seidlitz, Marlene Dietrich´s geheimer Geliebter, Katja Flint - Marlene Dietrich; Herbert Knaupp - Rudi Sieber, Marlene´s Ehemann; Christiane Paul - Tammy, das Kindermädchen, Theresa Vilsmaier - Maria Sieber, die Tochter

---


Kommentar 1:


Die Ähnlichkeit dieses Auftrittes am Schluß des Filmes mit dem Schlußauftritt von Venus Morgenstern in Vom Suchen und Finden der Liebe drängt sich geradezu auf. Ähnlich das Kostüm, die scharfe Hinterleuchtung, die die Sängerin als Silhouette zeigt, die Frisur. Sogar in der Instrumentierung des Liedes, (Pizzicati der Violinen) und die Melodieführung ähneln sich in diesem Moment die Szenen der beiden Filme Marlene und Vom Suchen und Finden..


Kommentar 2:


Interessant ist, dass die beiden Schauspieler Heino Ferch und Katja Flint in zwei Projekten in Figuren schlüpfen, die in identischer Beziehung zueinander stehen (s.a. HF und Moritz Bleibtreu- ähnlicher Vorgang in Lola rennt und Vom Suchen und Finden..) In beiden Fällen verkörpern sie ein Liebespaar unterschiedlichen Alters, er jünger, sie älter, das sich zueinandergezogen fühlt, aber an den unterschiedlichen Lebensplänen scheitert: Marlene und Widows.


Labels: