Sonntag, Juni 15, 2008

Filmszenen I ..was willst Du denn hier? in: Gefährliche Verbindung. Teil 4. Heino Ferch - Andy Fischer. Regie: Uwe Janson, 1992 - 93

Teaser Film Gefährliche Verbindung. Heino Ferch - Andy Fischer. Regie: Uwe Janson 1991
Bildquelle und Bildrechte bei arte/ZDF

Vor der Szene

Nach diesem Unfall will Andy wissen, welche Substanzen in der Brühe sind, die ihn und seinen Kollegen übergischtet hat.
Regine macht heimlich nachts eine Substanzanalyse. Ergebnis: der Anteil an kanzerogenen Furanen und Dioxinen ist viel zu hoch. Andy und Regine wollen damit an die Presse. Eine Besprechung bei einem Journalisten der dpa scheitert. Zwei junge Leute gegen einen Konzern – zu gefährlich: für den Arbeitsplatz des Journalisten.
Andy zeigt die Analyse seinen Kollegen. Die plötzliche Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen, Atemmasken, Schutzanzüge, war also doch nicht einfach nur ein kleiner logistischer Fehler. Ulli Fenske hatte Krebs – Nierenkrebs - gehabt und vor ihm Kerssbeek.
Andy ruft die Leute seiner Gruppe zum Streik auf. Der Vorarbeiter bringt sofort Ersatzleute, die Streiker bekommen eine Abmahnung und werden kurz darauf entlassen.
Hausverbot für Andy und auch für Regine, die die unerlaubte Analyse angefertigt hatte.
Die aussichtslose Situation treibt zwischen Andy und Regine einen Keil. Ein Wort gibt das andere, man geht frustriert auseinander.
Natürlich hat Andy sehr schnell Sehnsucht nach Regine. Die ist nicht auffindbar. Nicht in ihrer Wohnung. Vielleicht ist sie bei ihrem Vater. Andy fährt auf seinem Motorrad zur Villa des Betriebsratsvorsitzenden Kiefer.
Die Szene
Andy stellt sein Motorrad neben Kiefers BMW ab, klingelt an der Fronttür der Villa. Keine Antwort. Ein Blick durch die gläserene Haustür, ein langer Blick nach oben. Nichts rührt sich. Andy zieht den Zündschlüssel von seiner Yamaha und umrundet die Hausecke. Hinten die Terrassentür ist offen. Wir im Wohnzimmer, sehen, wie Andy zuerst hereinlugt, dann eintritt.
In der Raumtiefe steht ein Mahagony-Tisch, darüber ein klassizistischer Kronleuchter, an der Rückwand zwei große Originalhandzeichnungen, wir sehen den Durchgang in die Küche. Zuckergefäß aus Silber auf dem Tisch. An der Stirnseite des Tisches sitzt Kiefer allein,- er hat für sich nicht groß aufgedeckt, - und löffelt einen Teller Suppe.
Kiefer schaut von seiner Suppe auf. Erkennt Andy.
Kiefer:
Andreas Fischer. -
Was willst Du denn hier?
Andy in seiner arme Leute Kleidung, Jeans, Turnschuhe, T-Shirt und Motorradjacke, bleibt bei der Terrassentür stehen. Er wirkt in dieser Umgebung bürgerlicher Situiertheit wie eine Fehlfarbe. Zuerst unsicher, dann verwurzelt er sich breitbeinig an seinem Platz. Mutig:
Wo is´ Regine?
Wir nähern uns Kiefer.
Kiefer:
Ich weiß es nicht.
Kiefer löffelt weiter von seiner Suppe.
Kiefer:
Ich hab´ nichts von ihr gehört.
Andy duzt Kiefer plötzlich, jetzt ist eh schon alles egal, Andy ist kein Mitarbeiter der Komec AG mehr.
Andy:
Das soll ich Dir glauben.
Kommt näher.
Kiefer wendet sich ab, bringt seinen leeren Teller in die Küche.
Andy, folgt ihm. Provokant:
Wer glaubt denn Dir überhaupt noch was..
Kiefer kommt zurück mit einer viktorianischen Sterling-Silver caffettiera in der Hand. Nach dem Essen noch ´n Schluck.
Kiefer:
Ich hab´ jedenfalls damals versucht, Dich aus dieser Abteilung rauszuholen.
Andy:
Da hab´ ich nich ´ viel von gemerkt.
Kiefer geht zur anderen Seite hinüber. Dort sehen wir ein wandfüllendes Bücherregal vom Boden bis zur Decke. Kiefers sind belesen. Der Betriebsratsvorsitzende greift nach Pfeife und Tabak und beginnt, sich eine Pfeife zu stopfen.
Andy:
Wir sind Dir doch scheißegal. Du hast immer Bescheid gewusst.
Kiefer:
Nu tu doch nich` so naiv ihr habt´s doch auch gewusst - oder habt ihr geglaubt, die Atemschutzmasken sind nur für´s besssere Aussehen da?
Andy:
Eure Arbeitsschutzbestimmungen sind ne Riesensauerei. Die Männer krepieren in der Giftbrühe und Du spielst mit. Das geht auf Deine Kappe!
Kiefer:
Mit Arbeitsschutz durfte man Euch doch nich´ kommen, ihr habt Euch doch nur für die Prämien interessiert.
Andy:
Ja und warum bin ich dann rausgeflogen. – Nach Deiner Logik müsstest Du mir doch dankbar dafür sein, dass ich ´s Maul aufgemacht hab.
Kiefer:
Frag doch mal Deine Kollegen, ob die Dir dankbar sind. Dankbar ist Dir die Werksleitung. Die ham´ doch nur auf so ein´ gewartet wie Dich. Den hast Du doch die allerletzten Argumente geliefert, die Arbeitsplätze Euch unter´m Arsch wegzuziehen. (Die Pflanzenschutzproduktion wurde nach dem Stör-/Unfall nach Mexiko verlegt.)
Gratulation, mein Freundchen!
Andy:
Ich bin immer noch lieber arbeitslos als tot.
Kiefer:
Menschenskind – wir ham´ in den letzten Jahren nu wirklich ne Menge verbessert.
Wenn Du wüsstest, wie´s im Pflanzenschutz ausgesehn hat, als Dein Vater noch leb..
Andy fährt zornig hoch: … mein Vater???
Die Beiden dicht voreinander. Andy muss zu Kiefer hochblicken, Er starrt ihn an.
Andy:
..na..der geht sicherlich auch auf Euer Konto. Ha? Na ja, aber einer mehr oder weniger, darauf kommts ja nich an, Hauptsache die Kasse stimmt.
Kiefer:
Jez is genug, jez reichts . Kiefer drängt sich an Andy vorbei, will weggehen.
Andy, ihm hinterher:
Erlaubt is was reich macht.
Plötzlich sind die beiden im Handgemenge.
Kiefer:
…hau ab sonst..
Andy packt Kiefer vorne am Hemd, hält ihn so fest, dass er sich nicht bewegen kann.
Andy:
Ha? Sonst?
Kiefer:
… sonst…
Andy packt den Betriebsratsvorsitzenden dichter, schüttelt ihn leicht. Beider Gesichter so dicht voreinander, dass keine Faust dazwischen passt:
Andy:
-- was sonst?
Kiefer starrt in seiner gefangenen Position auf Andy herunter, ängstlich. Er unternimmt nichts. Andy wirkt in seiner Wut zu bedrohlich. Er hätte keine Chance gegen den jungen Boxer.
Andy leise:
Du Kantinenwitz. -- Weißt Du was Du bist?
Wir erwarten den dummen Verbal-Angriff. Nein. Falsch. Andy ist klug. Leise zu dem alten Mann:
Leer!!
Er lässt Kiefer los und wirft ihn in einen Sessel.
Geht.
Kiefer ist so erschüttert, dass wir fürchten, er steht ganz kurz vor einem Herzanfall.
Schnitt.
1992 - 93 Heino Ferch (im Alter von 29) - Chemiearbeiter Andy Fischer, Jennifer Nitsch - Regine Kiefer, Andy´s Freundin und Tochter der Betriebsratsvorsitzenden Kiefer, Günter Lamprecht - Betriebsratsvorsitzender der Komec AG Kiefer

semi offtopic

Trailer von H2O Part II " The Trojan Horse"-> Heino Ferch ab Min 1:58.




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Sonntag, Mai 18, 2008

Filmszenen I ...fass´ ihn nicht an!!! in: Gefährliche Verbindung Teil 3.

Heino Ferch - Andy Fischer. Buch und Regie: Uwe Janson, 1990-91

Teaser Film Gefährliche Verbindung. Heino Ferch - Andy Fischer. Regie: Uwe Janson 1991

Bildquelle und Bildrechte bei arte/ZDF.

Vor der Szene

In der Produktion.

Wir erinnern uns. Das Nicht-Katalytische Verfahren wird weiter benutzt. Nicht katalytisch bedeutet: die chemische Reaktion kann nur unter Zufuhr hoher Temperaturen ablaufen. Hohe Temperatur entsteht nur unter hohem Druck. Hohe Temperaturen erzeugen tödliches Dioxin.

Die elektronischen Temperaturanzeiger an den Druckkesseln wurden zurückgetauscht gegen – ungenauere – mechanische.

In der Nachtschicht zuvor war improvisiert worden. Die Materialausgaben hatte Bolzen mit Linksgewinde geschickt. Unbrauchbar. Die Schicht muss produzieren. Also waren die Druckkessel mit Bolzen verschlossen worden, deren Rechts-Gewinde provisorisch in Handarbeit geschnitten worden waren.

Die Szene

In der Produktion. Kessel, ein Gewirr aus Rohren, Steigleitungen, Anzeigeuhren, Lärm, eine halboffene Galerie, Boden aus Metallgittern.

Ein Arbeiter überprüft den Druck an den Kesseln.

Wir sehen: 5 bar.

Andy ist in der Nähe, er bringt gerade Material.

Insert auf ein Druckventil. Es platzt. Giftgelbe Flüssigkeit spritzt massenhaft heraus.

Wir hören einen mörderischen Schrei. Dann Halbnah.

Der Arbeiter, der die Druckanzeige abgelesen hatte, steht genau unter dem Ventil. Die giftgelbe Flut, kochendheiss, überschüttet ihn wie der Strahl eines Wasserwerfers. Der Mann schreit und schreit.

Andy nah. Panik. Hölle Hölle.

Thomas!

Schreit er.

Blick zu Thomas. Die giftgelbe Flut schwallt weiter über den Mann.

Andy rennt zum Steuerbord und dreht den Durchlaufdruck herunter.

Wir sehen Thomas, wie er sich unter der kochenden Flut windet, schreit und schreit. Immer noch überflutet die giftgelbe Brühe Gesicht und Körper.

Jetzt liegt er am Boden. Verliert das Bewusstsein.

Die Alarmsirene gellt schrill.

Andy rennt heran, zieht Thomas am Arm aus dem kochendheissen Giftwasserfall.

Er packt ihn unter den Achseln und schleift ihn zur Notwaschstelle. Der Vorarbeiter und ein zweiter sind herbeigerannt. Wir hören Warnungen. Andy soll irgendwas.

Jetzt ist er unter der Notdusche angekommen, zieht an der Kette. Kühles Frischwasser duscht auf Andy und den Bewusstlosen herab.

Wir hören von Andy:

Lass mich!

Stephan ist herbeigerannt, der Vorarbeiter Storck ruft über Funkgerät Hilfe herbei. Stephan starrt entsetzt auf Andy und den schwer Verletzten, will sich herunterbeugen, helfen.

Der Vorarbeiter reisst ihn zurück, brüllt:

Neiin – fass sie nicht an!

Fass sie nicht an!!!

Er reisst Stephan hinter sich zurück und starrt atemlos auf die grausige Pietá vor ihm.

Andy - das Wasser schwallt in dickem Strahl auf ihn herab – fährt hoch:

Warum soll ich ihn nich´ anfassen?

Keine Antwort.

Nochmal:

Warum nich´??

Der Vorarbeiter, er brüllt:

Mensch, das weißt Du doch ganz genau!!

Andy:

Was ist überhaupt mit euch los? - - Machs Maul auf, Du feiges A…ch!

Storck steht versteinert, die Augen weit aufgerissen.

Er starrt auf Andy ´s Hand. Andy folgt dem Blick, hebt die Hand. Er sieht etwas, das ihn erschreckt. Wir fühlen dass er etwas ahnt, das furchtbar ist, lebensbedrohlich.

Der Wasserschwall von oben nimmt ihm beinahe die Luft, er muss um Atem kämpfen.

Er blickt zum Vorarbeiter. Sein Blick fragt, ängstlich.

Gelborange Lichtblitze der Alarmanlage zischen über Storcks Gesicht. Starr aufgerissene Augen. Entsetzen. Keine Antwort.

Schnitt.

1992-93 Heino Ferch (im Alter von 29) – Chemiearbeiter Andy Fischer, Joachim R. Iffland – Thomas, Tayfun Bademsoy - Stephan Heinz-Werner Kraehkamp - Storck, der Vorarbeiter.

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Kommentar:

Das Thema Chemieunfall nimmt HF jetzt, in 2008, sechzehn Jahre später, zusammen mit Julie Delpy wieder auf in
"Bhopal- a Prayer for Rain."


semi offtopic

Aus den Wikipedia-Besucherzählern (Artikel Marlene Dietrich, Marlene (Film), Heino Ferch am 2.5.) ist zu entnehmen, dass die erneute Sendung des Films Marlene großes Publikumsinteresse erzeugt hat. Gerade haben wir den Film "gezogen" und sind bei der Qualitätsprobe in die kleine Szene des Walzers von Carl von Seidlitz und Marlene gestoßen. Die beiden tanzen gemeinsam, eng, zusammen, wir hören im Hintergrund jedoch das Lied "ich weiss nicht zu wem ich gehöre - ich glaub´ich gehöre nur mir allein..." - Subtext für Marlene.
Himmel, Himmel, dieser Vilsmaier, wie zärtich der inszenieren kann. Es ist immer eine ganz besondere Stimmung, die Vilsmaier jenseits von Text und Handlung erzeugen kann, eine Stimmung, die den Film überglänzt und ihn schön und zärtlich macht, den X-Faktor erzeugt. Wie - altmodisch? Ja, auch altmodisch, aber altmodisch wie ein schönes altmodisches Schmuckstück aus Aquarinen, Markasiten und Altsilber von Tiffany. Also nächste Woche eine Szene aus Marlene "Ich glaub, ich gehöre nur mir allein."

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