Freitag, Dezember 07, 2007

Filmszenen I "...er möchte ein Zeichen setzen. Und das muss jemand lesen können: - Sie!" Teil 3A

in: Der Feuerteufel. Heino Ferch - Peter Bender. Regie: Curt Faudon 1998-99


Teaser Film Feuerteufel Flammen des Todes 1998-99

Bildrechte und Bildquelle http://www.faudonmovies.com/ und SAT.1

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Vor der Szene:

Geschmolzene Wolframdrähte in den Glühbirnen der Kronleuchter am Tatort erhöhen die geschätzte Temperaturentwicklung der Explosion auf 3700 Grad Celsius. Das ist ein Temperaturniveau, das nur durch einen ausgewiesenen Experten erzeugt werden kann.

Der anfängliche Verdacht, dass die Bombe das Gebäude des Kunsthistorischen Museums in Wien zerstören sollte, verblasst gegenüber der Erkenntnis, dass den weitaus höheren Schaden der Verlust der Gemälde darstellt.

Mit den zerstörten Hieronymus-Bosch-Bildern ist Kultur-Welterbe verloren gegangen.

Lena Schubert wird vom Kunsthistorischen Museum mit einer Schadenssichtung beauftragt.

Sie fotografiert gerade die Reste der zerstörten Gemälde am Brandort, als auch der Polizeipsychologe Peter Bender noch einmal den Tatort betritt:

Peter Bender und Dr. Lena Schubert am Tatort

Bildquelle und Bildrechte bei www.faudonmovies.com und SAT.1 Click auf das Bild, um es im Originalzusammenhang auf faudonmovies.com zu betrachten

Szene im Hieronymus-Bosch-Gemäldesaal des KhistMus Wien

Lena Schubert steht mit einer Kamera im Halbdunkel des Saales. Die Fenster sind notdürftig mit Brettern vernagelt.

An den Wänden verschmorte Überreste von Bildern. Die Verschlußautomatik von Lenas Spiegelreflexkamera klackt, als sie den Auslöser bedient.

Von hinten nähert sich langsam Peter Bender. Als er neben ihr steht, grüßt er verhalten.

Bender: Tag…

Lena fotografiert weiter, erwidert den Gruss, ein wenig zerstreut:

Tag.

Bender geht langsam an den verbrannten Wänden entlang. Seine Schritte knirschen im verkohlten Brandschutt.

Lena fotografiert weiter, wir hören die Verschlußautomatik immer wieder klacken.

Neben Lena auf einem Tisch ein geöffneter Laptop, in den sie im Stehen Beobachtungsergebnisse eingibt.

Bender hat seine Runde durch den Raum beendet, steht hinter Lena, sieht ihr zu. Fragt:

Was machen Sie hier?

Lena unterbricht das Fotografieren, sucht ein Brandfragment ab, Sie dreht sich nicht zu Bender um.

Ich sichte den Schaden für´s Museum.

Und Sie?

Bender, nach einer Sekunde:

Ich frage mich, warum sich Terroristen so viel Mühe machen, dieses Gebäude in die Luft zu sprengen.

Lena, tippt in den PC und redet gleichzeitig:

Wieso das Gebäude, das Museum steht ja noch. Die Bilder sind zerstört worden.

Bender schnell: Die Bilder?

Lena, jetzt nimmt sie Blickkontakt auf:

Ja die Bilder sind viel wertvoller als der Bau.

Lena nimmt einen neuen Film, rollt den alten in der Kamera auf.

Bender nickt, denkt nach, dann:

Warum dieses Museum?

Lena macht eine Geste der Ratlosigkeit. Beide, sie und Bender, verlassen den Raum, kommen auf uns zu.

Bender, sehr sachlich:

Können Sie herausfinden, ob es einen ideologischen Hintergrund gibt?

Lena und Bender gehen nebeneinander her. Lena spult die Filmrolle auf. Bender:

Irgendetwas, das einen radikalen Täter motivieren könnte, diese Bilder zu zerstören.

Lenas Ausdruck ist nachdenklich, ein wenig abweisend.

Lena:

Das Weltgericht von Bosch war berühmt – als eine Darstellung der Höllenstrafe.

Beide bleiben stehen. Lena sieht das Bild vor ihrem geistigen Auge.

Links- die Vertreibung aus dem Paradies..

Sie erinnert sich an Benders Anwesenheit, wirft ihm einen raschen Kontrollblick zu:

die sieben Todsünden

..das spezifische an den Bild jedoch war das Schwarz.

Bender steht frontal vor ihr, zwei Schritte entfernt, die Hände in den Manteltaschen vergraben. Er hört zu. Lena

..das NICHTS, in dem die Figuren verschwanden…

Lena wirkt nachdenklich:

…das zeitlose und raumlose NICHTS.

Das Gespräch ist beendet, Bender wird unterbrochen, sein Chef beansprucht ihn.

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Kommentar 1:

Lena nennt hier einen Bestandteil des Weltgerichtstryptichons von Hieronymus Bosch, um dessen ikonologische Deutung sich die "Who´s done it?" -Story drehen wird:

„..die sieben Todsünden (geboren aus Ego-ismus)

Es sind dies

ira- der Zorn,

superbia - der Hochmut

luxuria - die Wollust

acedia - die Gleichgültigkeit

gula - die Völlerei

avaritia - die Habgier und

invidia - der Neid.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in einem anderen Projekt von Heino Ferch „Der Anwalt und sein Gast“ Ferch als Anwalt Christian Weller sozusagen das Gegenteil zu den sieben Todsünden im Subtext thematisiert.

Es sind dies die Sieben Werke der Barmherzigkeit (geboren aus Altru-ismus), von denen im Film sechs gezeigt werden.

  1. Hungrige speisen (Karmann darf bei Wellers essen)
  2. Durstige tränken (Weller gibt der durstigen Putze einen Schluck des heiligen Chef-Cognac)
  3. Obdachlose beherbergen (Wellers beherbergen Karmann)
  4. Nackte kleiden (Weller gibt Karmann, der nackt in der Zelle sitzt, sofort seinen eigenen Mantel)
  5. Kranke pflegen (Katja Weller pflegt den kranken Karmann)
  6. Gefangene besuchen (Weller besucht seinen gefangenen Mandanten)
  7. Tote bestatten –
Kommentar 2:

Bender und Lena in Lenas Straße. Sie wurde bedroht. Der Angreifer lief weg.

Bildquelle und Bildrechte bei www.faudonmovies.com und SAT.1 Click auf das Bild, um es im Originalzusammenhang auf faudonmovies.com zu betrachten

Diese Totale ist rein formal eine Anspielung auf ein Thema aus der Theaterbau-Geschichte, bzw. der Geschichte des Bühnenbildes.
Die Einstellung zeigt in ihrem Aufbau eine Renaissance-Bühne im Stil des Theatro Farnese in Parma.
Im Vordergrund Säulen mit Bögen und die Spielfläche mit den Darstellern (hier Bender und Lena), im Mittel- und Hintergrund ein sog. Scorcio, eine Straße mit fluchtender Zentralperspektive und abschließendem Schlussprospekt.

Die Renaissance-Bühne erzielte die Raumtiefe durch schräges Anheben des Bühnenbodens und sukzessives Verkleinern der Kulissenbauten. s.a. Winkelrahmenbühne

- Visuell identisch angelegt sind auch die Uffizien in Florenz, wenn man sie von der jenseitigen Flusseite aus betrachtet: Durch einen kolossalen Arkadenbogen ein Blick auf einen Scorcio , den Innenhof der Uffizien.

Ein Spielfilm über ein Thema aus der Kunstgeschichte mit einer Bildeinstellung aus dem Bereich Theatergeschichte.

Kommentar 3:

Wir finden, im Mechanismus des Mannes, der eine Frau schüchtern aus der Ferne beobachtet, aus der Distanz in der Dunkelheit verfolgt, bereits - hier ausgelagert auf die Figur des "Feuerteufels" - einen Wesenszug des Protagonisten aus einem Projekt drei Jahre später zu erkennen: Dr. Steffen Hennings aus Nachts im Park. Das nächtliche Beobachten einer Frau hat auch noch einen wütenden "Vorgänger" fünf Jahre früher: Wolf Kleinhaupt beobachtet Renate in Samstags, wenn Krieg ist.

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