Dienstag, September 15, 2009

Filmszenen I...Narr. der ich wähnete, die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache.... Schiller: Die Räuber 1789

Heino Ferch bei Volle Kanne ZDF Frühstücksfernsehen PR für Vision->

Bildquellen und Bildrechte: www.daserste.de und Volkstheater Wien, Lalo Jodlbauer

...Narr , der ich wähnete, die Welt durch Gräuel zu verschönern und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache...Friedrich Schiller: Die Räuber, 1789.

Aufführung Schillertheater 1990 unter Alexander Lang, Heino Ferch - Grimm.

Fünfter Akt, erste Szene

Was ist da los?

Durch einen unerhörten Zufall lagern die Räubertruppen in demselben Wald, wo auch der Turm steht, in dem der alte Graf, Karls und Franz´Vater, dahinsiecht, wovon nur der böse Bruder Franz und sein Helfer Hermann wissen.

Karl Moor sucht heimlich das Schloß seines Vaters auf und entdeckt den Vater, der im Turm eingesperrt ist. Karl erfährt endlich von der Intrige seines Bruders gegen ihn, in deren Folge Karl zum Räuber und Mörder wurde.

Karl nimmt seinem treuesten Genossen Schweizer den Eid ab, ihm Franz lebend zu bringen, und Schweizer eilt, mit den Auserlesensten der Bande das Schloss zu stürmen.

Als die Räuber unter Grimms Führung die Türen einbrechen und Franz keine Rettung sieht, erdrosselt er sich.

Schweizer erschießt sich, weil er sein dem Hauptmann gegebenes Versprechen, den Bruder lebend zu bringen, nicht halten kann.

Amalia hat erfahren, dass ihr Karl in der Nähe ist. Sie eilt in den Wald und findet den Geliebten mit dem totgeglaubten alten Grafen. Karl enthüllt ihr, dass er Räuber und Mörder ist. Während der Vater vor Gram darüber stirbt, will Amalia nicht von ihm lassen,

Kurz glaubt Karl, mit Amalia sein Glück gefunden zu haben, als seine Genossen ihn an den Räuberschwur erinnern, der ihn, Karl und die Räuber auf Gedeih und Verderb verbindet. Der Schwur verpflichtet alle, sich nie zu verlassen und alles zu teilen. (Einer für alle Alle für einen.) Also muss Karl sich von Amalia trennen.

Amalia will ohne ihn nicht leben, bittet um den Tod von seiner Hand und dankt ihm, als er den Dolch in ihre Brust stößt.

Karl will nicht mehr der Hauptmann der Räuber sein. Er übergibt sich selbst der Justiz: "..Narr , der ich wähnete, die Welt durch Gräuel zu verschönern und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache..."

Textquelle: klassiker-der-weltliteratur.de

Volksauflauf.

Volk. Diebe! Mörder! Wer lärmt so gräßlich in dieser Mitternachtsstunde?

Schweizer (immer auf der Gasse). Schlag sie zurück, Kamerad - der Teufel ist's und will euren Herrn holen - Wo ist der Schwarz mit seinem Haufen? - Postier dich ums Schloß, Grimm - Lauf Sturm wider die Ringmauer!

Grimm. Holt ihr Feuerbrände - wir hinauf oder er [ Franz] herunter - ich will Feuer in seine Säle schmeißen.

Franz (betet). Ich bin kein gemeiner Mörder gewesen, mein Herrgott! - hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben, mein Herrgott -

Daniel. Gott sei uns gnädig! Auch seine Gebete werden zu Sünden. (Es fliegen Steine und Feuerbrände. Die Scheiben fallen. Das Schloß brennt.)

Franz. Ich kann nicht beten - hier, hier! (Auf Brust und Stirn schlagend.) Alles so öd - so verdorret. (Steht auf.) Nein, ich will auch nicht beten - diesen Sieg soll der Himmel nicht haben -

Daniel. Jesus Maria! helft - rettet - das ganze Schloß steht in Flammen!

Franz. Hier, nimm diesen Degen. Hurtig! Jag mir ihn hinterrücks in den Bauch, daß nicht diese Buben kommen und treiben ihren Spott aus mir. (Das Feuer nimmt überhand.)

Daniel. Bewahre! Bewahre! Ich mag Niemand zu früh in den Himmel fördern, viel weniger zu früh - (Er entrinnt.)

Franz (ihm graß nachstierend, nach einer Pause). In die Hölle, wolltest du sagen - Wirklich? ich wittere so etwas - (Wahnsinnig.) Sind das ihre hellen Triller? hör' ich euch zischen, ihr Nattern des Abgrunds? - Sie dringen herauf - belagern die Tür - warum zag' ich so vor dieser bohrenden Spitze? - die Tür kracht - stürzt - unentrinnbar - Ha! so erbarm du dich meiner! (Er reißt seine goldene Hutschnur ab und erdrosselt sich.)

Schweizer mit seinen Leuten.

Schweizer. Mordcanaille, wo bist du? - Wohin hat sich die Bestie verkrochen?

Grimm (stößt an die Leiche). Halt, was liegt hier im Weg? Zündet hieher -

Schwarz. Er hat das Prävenire [prävenire = Zuvorkommen] gespielt. Steckt eure Schwerter ein, hier liegt er wie eine Katze verreckt.

Schweizer. Tot! was? tot? ohne mich tot? - Erlogen, sag' ich - Gebt Acht, wie hurtig er auf die Beine springt! - (Rüttelt ihn.) Heh du! Es gibt einen Vater zu ermorden.

Grimm. Gib dir keine Müh. Er ist maustot.

Schweizer (tritt von ihm weg). Ja! Er freut sich nicht - Er ist maustot - Gehet zurück und saget meinem Hauptmann: Er ist maustot - mich sieht er nicht wieder. (Schießt sich vor die Stirn.)

Franz und Schweizer sind tot.

(…)

2. Szene

Schweizers Gefährten treten auf im stummen Trauerzug mit gesenkten Häuptern und verhüllten Gesichtern.

Räuber Karl Moor. Himmel! (Tritt scheu zurück und sucht sich zu verbergen. Sie ziehen an ihm vorüber. Er sieht weg von ihnen. Tiefe Pause. Sie halten.)

Grimm (mit gesenktem Ton). Mein Hauptmann! (Räuber Moor antwortet nicht und tritt weiter zurück.)

Schwarz. Teurer Hauptmann! (Räuber Moor weicht weiter zurück.)

Grimm. Wir sind unschuldig, mein Hauptmann.

Räuber Moor (ohne nach ihnen zu blicken). Wer seid ihr?

Grimm. Du blickst uns nicht an? Deine Getreuen.

Räuber Moor. Weh euch, wenn ihr mir getreu wart!

Grimm. Das letzte Lebewohl von deinem Knecht Schweizer - er kehrt nie wieder, dein Knecht Schweizer.

Räuber Moor (aufspringend). So habt ihr ihn nicht gefunden?

Schwarz. Tot gefunden.

Räuber Moor (froh emporhüpfend). Habe Dank, Lenker der Dinge! - Umarmet mich, meine Kinder! - Erbarmung sei von nun an die Losung - Nun wär' auch das überstanden - Alles überstanden.

(…)

Räuber Moor. Halt! Wag' es - Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben! (Er ermordet Amalie.)

Die Räuber. Hauptmann! Hauptmann! Was machst du? Bist du wahnsinnig geworden?

Räuber Moor (auf den Leichnam mit starrem Blick). Sie ist getroffen! Dies Zucken noch, und dann wird's vorbei sein - Nun, seht doch! (…)- Ich hab' euch einen Engel geschlachtet. Wie, seht doch recht her! Seid ihr nunmehr zufrieden?

Grimm. Du hast deine Schuld mit Wucher bezahlt. Du hast gethan, was kein Mann würde für seine Ehre thun. Komm jetzt weiter!

Räuber Moor. Sagst du das? Nicht wahr, das Leben einer Heiligen um das Leben der Schelmen, es ist ungleicher Tausch? (..) (Mit bitterem Gelächter.) Die Narben, die böhmischen Wälder! Ja! ja, dies mußte freilich bezahlt werden.

Schwarz. Sei ruhig, Hauptmann! Komm mit uns, der Anblick ist nicht für dich. Führe uns weiter.

Räuber Moor. Halt - noch ein Wort, eh wir weiter gehn - Merket auf, ihr schadenfrohen Schergen meines barbarischen Winks - Ich höre von diesem Nun an auf, euer Hauptmann zu sein - Mit Scham und Grauen leg' ich hier diesen blutigen Stab nieder, worunter zu freveln ihr euch berechtigt wähntet und mit Werken der Finsterniß dies himmlische Licht zu besudeln –

Räuber. Ha, Mutloser! wo sind deine hochfliegenden Plane? Sind's Seifenblasen gewesen, die beim Hauch eines Weibes zerplatzen?

Räuber Moor. O über mich Narren, der ich wähnete, die Welt durch Gräuel zu verschönern und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten! Ich nannte es Rache und Recht -

(..)

Ich geh', mich selbst in die Hände der Justiz zu überliefern.

(…)

Räuber Moor. Man könnte mich darum bewundern. (Nach einigem Nachsinnen.) Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben, als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und elf lebendige Kinder hat - Man hat tausend Louisd'ore geboten, wer den großen Räuber lebendig liefert. Dem Manne kann geholfen werden. (Er geht ab.)

Aufführung Schillertheater 1990: Heino Ferch (im Alter von 27) – Grimm, Sebastian Koch – Roller, Amalie – Katja Riemann



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Kommentare:

s.a. Der Baader Meinhof Komplex: Selbstmorde der Bandenmitglieder am Schluß, wie hier.

Postier dich ums Schloß, Grimm - Lauf Sturm wider die Ringmauer! s.a. Napoléon Establishing Scene für Caulaincourt im Schlosspark: Militär stürmt das Schloss unter Führung von Caulaincourt.

Das ganze Schloß steht in Flammen s.a Der Unhold Schluss-Szene: die ganze Marienburg steht in Flammen.

Der Räuberschwur, füreinander einzustehen und sich nicht zu verlassen: S.a. D´Artagnan und die drei Musketiere: Einer für alle, alle für Einen.

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semi offtopic 18.9.2009

...wie lange es wohl noch dauert, bis wir endlich CABARET, 1972, acht Oscars, entdecken? Nun, Freund Zufall musste mit seiner kleinen Fernsteuerung erst alle anderen DVD´s der örtlichen Leihbibliothek durch Ausleihe wegräumen, so dass CABARET, Titelrolle: Liza Minelli, drei Besuche hintereinander ganz allein dastand und uns anguckte, anlächelte, heranpfiff.
Erst beim dritten Mal haben wir´s dann mitgenommen. Ach. Ach. Ach.

CABARET: Der Blaue Engel, Ghetto, Comedian Harmonists, Marlene, Auf ewig und einen Tag: die Figur der Paula Schmitt. Jetzt ist das Zehnerl gefallen...

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offtopic Notiz EndeTraWo 1 9,2 km/h auf 10 km. n 1 J Pause